Skulpturen

Als Material hat der Stein das einst bevorzugte Walross-Elfenbein bei der zeitgenössischen Inuit-Skulptur weitgehend ersetzt. Dadurch kam es nicht nur zu einer grösseren Vielfalt an Farbgebungen und Formen des Materials, sondern auch zu grösseren Formaten. Ein ebenfalls beliebtes Material sind uralte, verwitterte Walrossknochen, deren Verwendung jedoch - wie die des Elfenbeins - auf Grund internationaler Artenschutzbestimmungen, die z.T. auch auf das fossile Material angewendet werden, zurückgegangen ist. Auch Karibu-Geweihe und die Hörner von Moschusochsen werden verarbeitet, wo sie verfügbar sind. Bei vielen Arbeiten werden verschiedene dieser Materialien kombiniert; so werden z.B. in Steinskulpturen häufig Geweihstücke oder Elfenbein eingelegt.

Die häufig benutzte Bezeichnung ‘Speckstein’ ist etwas irreführend. Speckstein, ein weiches Aggregat von Talk (Steatit), wird weit weniger als der härtere ‘Schlangenstein’ (Serpentin) oder Serpentinschiefer (Serpentinit) sowie Siltstein, Argillit, Dolomit, Quarz und andere Gesteinsarten verwendet. Stein ist das vielseitigste Material für Skulpturen, da es sich zu fast jeder Grösse und Gestalt verarbeiten lässt. Seine Farbtöne reichen vom stumpfen Grau bis zu dem wie Halbedelstein wirkenden Grün, Blaugrün, Schwarz oder Weiss. Elfenbein, Walknochen, Geweihe und Hörner engen den Inuitkünstler stärker ein, obwohl er es versteht, den natürlichen Proportionen dieses Materials eine schier endlose Vielfalt an Formen und Gegenständen abzugewinnen.

Oft sind die Materialien knapp, und die Künstler müssen dann auf dem Landwege oder mit dem Boot weite Entfernungen zurücklegen, um Stein guter Qualität zu finden. Haben sie ihn erst einmal herbeigeschafft, so ist der eigentliche Arbeitsvorgang verhältnismässig unkompliziert. Die bei der Herstellung traditioneller Gegenstände geschulten Fertigkeiten werden von einer Generation zur anderen weitergegeben. Die meisten Skulpturen werden noch immer mit Handwerkzeugen hergestellt, obwohl die Künstler immer mehr auch kleine Elektrowerkzeuge benutzen. Der jeweilige Gegenstand erhält seine groben Formen durch Säge, Axt, Beil, Hammer und Meissel. Die feinere Bearbeitung erfolgt mit Hilfe von Feilen und Raspeln, und zuletzt arbeiten die Künstler dann mit Stahlwolle und Sandpapier. Für detaillierte Ritzdekors werden mitunter auch Taschenmesser oder Nägel verwendet.

 

Grafiken/Drucke

Der Steindruck ist eine Abänderung des Holzdruckes, bei dem man das Holz als Druckoberfläche durch Stein ersetzt.

Wie beim Holzschnitt steht das zu druckende Bild als Relief von der Oberfläche des Druckklotzes vor. Gewöhnlich paust der Drucker die Zeichnung eines Künstlers auf eine weiss eingefärbte, flache Steinplatte durch. Danach werden die Teile, die nicht gedruckt werden sollen, weggemeisselt.

Als nächstes trägt der Drucker die Drucktinte mit einem weichen Gummiroller auf das Bild auf. Er beginnt mit den hellen Farbschattierungen und fügt die Dunkleren in dünnen Schichten hinzu. Diese Hand-Einfärbung , mit verschiedenen Farben im selben Druckprozess, dauert manchmal eine Stunde oder mehr und muss für jeden Druck einer Auflage wiederholt werden.

Nach Beendigung des Farbauftrages wird ein schützender Überzug über die nicht zu druckenden Partien gelegt. Nun kann das eigentliche Drucken auf Papier stattfinden. Nur weiches Reispapier, wie z.B. Maulbeerpapier, ist saugfähig genug, um für Steindruck verwendet werden zu können. Wenn das Maulbeerpapier einmal auf der eingefärbten Oberfläche plaziert ist, wird das geschnitzte Bild mit unterschiedlichem Druck, abhängig vom Grad der verlangten Konturenschärfe, abgerieben.

Dann wird das Papier abgelöst und zum Trocknen aufgehängt. Der Steindruck ist fertig. Wo verschiedene Drucktinten in Schichten aufgetragen worden sind, vermischen sie sich und ergeben interessante Muster.

Der Steindruck, eine Relief-Technik, welche vorwiegend linear ist, ergibt scharfe, klare Konturen und eine Vielfalt von Texturen basierend auf einer rhythmischen Behandlung der Gesteinsoberfläche.

Durch Belassen der nicht zu druckenden Flächen ermöglicht der Schablonendruck, auf dem Basisprinzip des Ausschneidens beruhend, dem Drucker, mehrere Kopien zu produzieren. Das Bild wird direkt auf das Papier aufgetragen, indem die Drucktinte mit Hilfe einer Bürste durch die Öffnungen der Schablone aufgetupft wird.

Geduld und Geschick sind notwendig für diese Technik, da die Tinte nur in winzigen Mengen aufgetragen werden kann. Die gleiche Farbe muss immer und immer wieder aufgetupft werden; mit zuviel Tinte kommen Verschmierungen vor und die Tinte kleckst.

Ein routinierter Drucker kann einen sanften Übergang von dunkleren zu helleren Schattierungen erreichen, indem er die Dichte der aufgetragenen Tinte variiert.

Der Schablonendruck ist geeignet für Druckflächen mit flachen Farben, sei dies der Hintergrund in einer Landschaft oder Wasser in einer Fischereiszene. Das durch die aufgetupfte Tinte scheinende weisse Papier hinterlässt die gedruckte Fläche irgendwie transparent, fast leuchtend und die Drucke, die ausschliesslich in Schablonentechnik gefertigt worden sind, neigen dazu, eine zarte, lyrische Qualität zu haben, ganz im Unterschied zum Steindruck. Wie beim Steindruck haben die verschiedenen Druckereien der Arktis auch beim Schablonendruck verschiedende unterscheidbare Stilrichtungen entwickelt.

Wiedergegeben mit Erlaubnis des Kanadischen Bundesamtes für Angelegenheiten der Indianer und des Nordens, Ottawa.